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Terror gegen Deutsche
wie Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren

Festrede von Dr. Fred Mrotzek, Universität Rostock,
gehalten am 17. Juli 2005 auf Schloss Burg

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Man wird es kaum eine Festrede nennen können, was mir heute 60 Jahre nach Kriegsende als Aufgabe zugefallen ist. Ich gehöre zu einer Generation, die das Inferno in Ostpreußen nicht mitzuerleben brauchte. Ich kenne es nur aus Erzählungen meiner Großmutter, aus Büchern und eigenen Forschungen. Aber so mancher wird sich auf diesem Platz befinden, dessen Erinnerungen von den Versen überschattet sind, in denen Agnes Miegel den „Abschied“ festgehalten hat:

„Es forderte zum Fackeltanze Dich,
Gekrönte Vaterstadt, der grimme Tod.
Wir sahn von seinem Mantel Dich umloht
Und hörten, wie bei Deiner Türme Neigen
Die Glocken sangen Deinen Todesreigen
'Und sahen wie Dein Angesicht erblich.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Niedergang Ostpreußens wird letztlich durch einen sowjetischen Befehl besiegelt. Der deutsche Entzifferungsdienst hatte mit der Entschlüsselung der Befehle der Sowjetarmee nie größere Schwierigkeiten. Somit war das Oberkommando der Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion relativ gut über militärische Befehle der Roten Armee informiert. Am 11. Januar 1945 hielt der Chef des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Heinz Guderian, einen entschlüsselten Funkspruch der Sowjets in den Händen: „Es bleibt bei der alten Einladung. Festbeginn 13. früh. Musik komplett, Tänzer ausgeruht und unternehmungsfreudig.“ Was wie ein Plan für eine Feierlichkeit klang, war nichts anderes als der Beginn des Untergangs Ostpreußens. Guderian prophezeite Hitler, dass die Ostfront „wie ein Kartenhaus“ zusammenbrechen werde. Am 12. Januar [1945] begann die große Winteroffensive der Roten Armee. Die Heeresgruppe Mitte unter Generaloberst Reinhardt war chancenlos. Sein Bemühen sinnlose Opfer von Soldaten und Zivilisten zu vermeiden, sah Hitler als glatten Verrat an. Am 26. Januar 1945 erreichten sowjetische Truppen bei Tolkemit das Frische Haff. Die deutschen Soldaten versuchten nun, den abgedrängten Flüchtlingstrecks den Weg über die Ostsee ins Reich zu sichern.

Fünf Jahre zuvor am 22. August 1939 hielt Adolf Hitler vor SS-Kommandeuren und den Generälen der Wehrmacht eine Rede. Hierin kündigte er den Charakter des kommenden Krieges an: „Dies wird kein Krieg wie vorangegangene Kriege, dies wird ein Krieg gegen Mann, Weib und Kind!“

Hitler behielt Recht. Am 1. September 1939 warf sich das Großdeutsche Reich mit grenzenloser Brutalität und Mitleidlosigkeit auf Europa und die Welt. Nichts, was Menschen angetan werden kann, war mehr unmöglich: Millionen Menschen, meist Juden, erstickten in den Gaskammern der Konzentrationslager. Diese Form der Tötung war ein industriell betriebener Massenmord nach den Methoden der Ungeziefervertilgung.

Die Täter gehörten zu einer hochzivilisierten Nation: Es waren deutsche Techniker, Familienväter, Soldaten, Beamte, die Millionen Menschen das Recht absprachen, auf der Erde zu sein.

Seit der Schlacht um Stalingrad war klar, dass dieser Weltkrieg nicht gewonnen werden konnte. Was dann ab 1944 über die Deutschen selbst vor allem im Osten hereinbrach, war fürchterlich: ein ungeheuerer Hassstau machte sich Luft! Totschlag, Mord, Massenschändungen, Verschleppung und Vertreibung standen an der Tagesordnung. Am Ende des Krieges und Jahre später wurden die Deutschen zu Opfern!

Die ganze Welt kennt die furchtbaren Verbrechen, die Deutsche während des Zweiten Weltkrieges verübt haben, aber nur die wenigsten wissen über die Verbrechen bescheid, die an den Deutschen in den letzten Monaten des Krieges und Jahre später ausgeführt wurden!

Aber besitzt nicht jedes Verbrechen Singularität! Ist nicht jedes Verbrechen in seiner Schrecklichkeit einzigartig?

Menschlichkeit ist unteilbar!

Die Vorgeschichte der Vertreibung rechtfertigt kein einziges Verbrechen an den Vertriebenen. Aber ohne die Vorgeschichte der Vertreibung, ohne den Beginn des Zweiten Weltkrieges, hätte es kein einziges Verbrechen an Vertriebenen gegeben. Wer die Vorgeschichte der Vertreibung verdrängt, verstößt gegen die Unteilbarkeit der Menschlichkeit genauso, wie der, der die Nachgeschichte ausblendet.

Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag: „Die Ursachen für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit liegen am Anfang, nicht am Ende des Krieges – wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“ Erika Steinbach (Präsidentin des Bundes der Vertriebene) meint: „Es war Hitler, der die Büchse der Pandora geöffnet hat ...“

Der Vertreibungsprozess lässt sich in drei Abschnitte unterteilen:

  • er begann in den letzten Kriegsmonaten

  • er wurde dann in den Potsdamer Beschlüssen von den Siegermächten zum Programm erhoben

  • er endete durch die Ausweisungsaktionen in den folgenden Jahren

Vor diesem Hintergrund setze ich zwei Schwerpunkte:

  • 1. Die Verbrechen der Roten Armee an der deutschen Zivilbevölkerung

  • 2. Die Alliierten und die Vertreibung der Deutschen

1. Die Verbrechen der Roten Armee an der deutschen Zivilbevölkerung

21. Oktober 1944! Frühnebel liegt über der ostpreußischen Moränenlandschaft. Sowjetische Panzer des 2. Bataillons der 25. Panzerbrigade rollen die Chaussee von Gumbinnen herab. Die erschöpften Rotarmisten waren seit Tagen im Einsatz. Verbissen hatte die Wehrmacht die Ostgrenze des deutschen Reiches verteidigt. Nach drei Jahren brutalen Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion standen Stalins Truppen nun erstmals auf deutschem Siedlungsgebiet. Bei Nemmersdorf mussten die sowjetischen Panzer auf einem schmalen Damm zur Brücke über die Angerapp. Hier drängten sich die Fuhrwerke der Bauernfamilie, die über den Fluss nach Westen fliehen wollten. Als der sowjetische Kommandeur die Brücke sah, ließ er Vollgas geben. Um 7:30 Uhr war die Brücke eingenommen: Hinter den Panzern verquoll ein Brei aus Pferdekörpern, Holz der Fuhrwerke und Menschenleiber.

Bereits im August 1944 erreichte die Rote Armee Ostpreußen. Es begann die Flucht aus den Ostgebieten. Auf Anordnung aus Berlin sollten die Flüchtlinge erst einmal nach Pommern gehen. Während des Krieges hatte es mehrere Bevölkerungsverlagerungen innerhalb von Deutschland gegeben z. B.

  • 1,5 Mill. infolge des Luftkrieges aus Berlin,

  • 2,0 Mill. aus dem Rheingebiet.

Die Flucht der ostdeutschen Bevölkerung unterschied sich durch die Plötzlichkeit des schnellen russischen Vormarsch, durch die zahlreichen Katastrophen und die Brutalität der Roten Armee – auch das Ausmaß war größer.

Den Flüchtenden war damals selbstverständlich, dass das Verlassen ihrer bedrohten Heimatorte nur eine vorübergehende und allenfalls auf die Dauer des Kriegs beschränkte Notmaßnahme war.

Die Ursachen des Flüchtlingsstroms der ersten zwei Monate im Jahre 1945 waren zwingender als alle anderen Evakuierungsbewegungen. Es galt nicht nur der Front und den Kampfhandlungen auszuweichen, sondern auch einem Gegner, der keinerlei Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nahm: Am 23. Oktober 1944 eroberten deutsche Truppen das Gebiet um Nemmersdorf zurück. Der Erlebnisbericht eines Volkssturmmannes vom 14. Januar 1953 schildert die sowjetischen Gräueltaten in Nemmersdorf im Oktober 1944.

Die Parteipropaganda nutzte die Kunde der Gräueltaten für ihre Zwecke.

Die Flucht fand unter folgenden Bedingungen statt: äußerst harter Winter, eisglatte und schneeverwehte Straßen, Mangel an ausreichenden Transportmitteln, Der schnelle sowjetische Vormarsch zwang die Menschen nur die nötigsten Gebrauchsgegenstände und Lebensmittel mitzunehmen. Es fehlten die deutschen Männer. Es beginnt die Stunde der Frauen. Die Chance des Entkommens war sehr gering, zumal die Gauleitung völlig irrsinnige Durchhalteparolen ausgegeben hatte, und die lokalen Leitungen der NSDAP eifersüchtig darüber wachten, dass in keinem Ort ein Evakuierungsbefehl erlassen wurde. Das Unvermögen der Parteibehörden, sich die wirkliche Lage einzugestehen, machte ein rechtzeitiges Entkommen wenigstens von Teilen der ostdeutschen Bevölkerung unmöglich.

Hierfür ein Beispiel: Einen Tag nach den Geschehnissen in Nemmersdorf rief der Bürgermeister von Insterburg, Dr. Wander, bei der Gauleitung in Königsberg an. Er bat darum, Eisenbahnzüge mit Flüchtlingen aus dem Osten herauszuschicken, die sich jetzt schon auf dem Bahnhof drängelten. Darauf wird er von der Gauleitung spöttisch gefragt, ob er Fieber habe!

Übergriffe und Gewalttaten der sowjetischen Truppen:

1. Vergewaltigungen

Die Vergewaltigungen waren kein deutsches Problem. Die kommunistischen Führer aus dem gesamten sowjetisch besetzten Europa beklagten sich über die Vergewaltigungen. Djilas, ein jugoslawischer Kommunist, beklagte sich bei Stalin persönlich. Stalin meinte später dazu: „Kann er es nicht verstehen, wenn ein Soldat, der Tausende von Kilometern durch Blut und Feuer und Tod gegangen ist, an einer Frau seine Freude hat oder eine Kleinigkeit mitgehen läßt?“

Aber das war nur eine schwache Andeutung dessen, was die deutsche Bevölkerung zu erleiden hatte, als die Rote Armee erstmals deutschen Boden betrat.

Die letzte Direktive der politischen Hauptverwaltung der RA besagte, „daß es auf deutschem Boden nur einen Herren gibt: den Sowjetsoldaten, daß er sowohl Richter wie auch Henker für die von seinen Vätern und Müttern erlittenen Qualen für die zerstörten Städte und Dörfer ist. … Denkt daran, daß das dort nicht eure Freunde sind, sondern die Verwandten der Mörder und Unterdrücker.“

Bei den Vergewaltigungen handelte es sich keineswegs nur um Einzeltaten, sonder um Massenvergehen: Es wurden Razzien auf Frauen veranstaltet. Frauen wurden von ganzen Kompanien tagelang in aller Öffentlichkeit vergewaltigt. Es kam zu Vergewaltigungen von Kindern und Greisen. Dabei treten zwei Besonderheiten hervor:

1. Es ist erkennbar, dass diese Vergewaltigungen teilweise auf nachwirkende Traditionen und Vorstellungen aus asiatischen Gebieten Russlands zurückzuführen sind. Danach gehören die Frauen zur Kriegsbeute wie Schmuckstücke, Wertgegenstände und andere Sachgüter.

2. Einige Worte zu Ilja Ehrenburg: Ehrenburg erlebte 1940 die Einnahme von Paris durch deutsche Truppen. Während des Krieges war er als Frontkorrespondent und Propagandist tätig. Er schrieb Unmengen von Propagandagedichten, die in der dreibändigen Publikation „Woina“ 1942-1944 veröffentlicht wurden. Anfangs richtete sich diese Propaganda vor allem an die deutschen Soldaten und war überaus unprofessionell. „Deutscher Soldat! Die Hitlerbande macht Deutschland zu Hurenhaus!“ Diese Flugblätter waren so primitiv und unpsychologisch, dass die deutschen Soldaten sie wagen ihres angenehmen Papiers anderweitig verwendeten. Die Propaganda änderte sich und wurde vor allem bei den sowjetischen Soldaten sehr erfolgreich angewandt, in dem man ihnen von den Gräueltaten der Deutschen in der Sowjetunion berichtete und die eigenen Soldaten anfeuerte. Russ. Soldatenzeitungen, Flugblätter und Rundfunksender haben die sowj. Soldaten ausdrücklich in den Wochen der Eroberung zu Rache und Vergeltung aufgerufen. Rituellen Hassgesang „Wir werden nicht mehr reden. Wir werden uns nicht erregen. Wir werden töten. Wenn du nicht wenigstens einen Deutschen pro Tag getötet hast, dann war dieser Tag vergeudet. ... Wenn du einen Deutschen tötest, töte einen weiteren – es gibt nichts lustigeres für uns als einen Berg deutscher Leichen“ „Hänge sie auf, und sieh zu, wie sie in der Schlinge strampeln. Brenne ihre Häuser nieder und freue dich an den Flammen.“ Ehrenburg schrieb zum Beispiel das Gedicht „Töte“. „Wir werden nicht mehr reden. Wir werden uns nicht erregen. Wir werden töten. Wenn du nicht wenigstens einen Deutschen pro Tag getötet hast, dann war dieser Tag vergeudet. ... Wenn du einen Deutschen tötest, töte einen weiteren – es gibt nichts lustigeres für uns als einen Berg deutscher Leichen“ „Hänge sie auf, und sieh zu, wie sie in der Schlinge strampeln. Brenne ihre Häuser nieder und freue dich an den Flammen.“ Die deutsche Propaganda nutzt diese Hasstriaden und veröffentlicht wiederum gefälschte Aufrufe, die Ehrenburg nie verfasst hat und von denen er sich Zeit seines Lebens distanzierte. Ilja Ehrenburg hat in keinem seiner Propagandagedichte zur Vergewaltigung deutscher Frauen aufgerufen.

Russische Soldatenzeitungen, Flugblätter und Rundfunksender feuerten die sowjetischen Soldaten ausdrücklich in den Wochen der Eroberung zu Rache und Vergeltung an. Nur so lässt sich erklären, dass viele deutsche Frauen nach den Vergewaltigungen getötet und mitunter auch sadistisch entstellt wurden.

Folgen: Geschlechtskrankheiten, ungewollte Schwangerschaften, lebenslange körperliche Schädigungen, tiefe Depressionen, Selbstmorde

Nach Schätzungen wurden während des Vormarsches der Roten Armee etwa 1,9 Mill. Frauen vergewaltigt. In der späteren DDR lebten etwa 60.000 Kinder, die durch diese Vergewaltigungen gezeugt wurden.

Diese Vergewaltigungen wurden nach dem Krieg zu einem ernsthaften Problem, das auch nicht durch die Kasernierung der Sowjetsoldaten in den Griff zu bekommen war. Erst im März 1949 erließ die Sowjetunion ein deutliches Gesetz, das Vergewaltigungen zwingend mit 10 bis 15 Jahren Arbeitslager bestrafte.

2. Massentötungen ostdeutscher Zivilpersonen

Dabei handelte es sich um Liquidierungen und Morde ohne gerichtliche Entscheidungen aufgrund irgendwelcher Verdachtsmomente oder Beschuldigungen, zum Teil auch reine Willkür.

Es lassen sich dabei gewisse Grundzüge erkennen: Die Erschießungen betrafen vor allem Personen in exponierten Parteistellungen, Bürgermeister, höhere Zivilangestellte, Polizeiangehörige von den allesamt die Sowjets annahmen, dass sie führende NS-Funktionäre waren. Eisenbahnbeamte, Feuerwehrleute und andere Uniformträger des öffentlichen Dienstes wurden als Angehörige von NS-Organisationen betrachtet und ohne Befragung erschossen. Das konnte auch Personen betreffen, in deren Wohnungen Waffen oder Uniformteile gefunden wurden.

Zudem bestand der Verdacht, dass die in den Orten angetroffene Bevölkerung als Partisanen zurückgelassen wurden.

Der „revolutionäre“ Hass gegen die vermeintlichen „Kapitalisten“, betraf auch kleine Leute mit einem eigenen Haus. Aussagen von sowjetischen Zwangsarbeiter wurden entscheidend für das Überleben der Deutschen. Viele Beispiele von Erschießungen zeigen zu dem das wechselhafte Temperament der Sowjetsoldaten, die zudem fast ständig unter Alkoholeinfluss standen.

Fazit: Hinter diesen Vorgängen steckte viel weniger nationalistisch bestimmter Deutschenhass, sondern teils sozialrevolutionäre, kommunistische oder antifaschistische Gefühle, teils einfach selbstherrliche naive Willkür des einzelnen russischen Soldaten oder Offiziers.

3. Plünderungen und Brandstiftungen

Die militärische Führung der Sowjetunion ermunterte die Soldaten dazu. Im Dezember 1944 erließ das Volks-Verteidigungskommissariat der Sowjetunion eine Sondererlaubnis zum Verschicken von Paketen aus Deutschland in die Sowjetunion: der einzelne sowjetische Soldat sollte auf diese Weise an einer Wiedergutmachung teilnehmen. Zu bedenken ist dabei auch der Warenhunger der Menschen, die aus einer Mangelgesellschaft kamen.

Es ist erwiesen, dass durch Zerstörungen und Brandstiftungen in den Tagen des Einmarsches der Roten Armee in Ostdeutschland größerer Schaden verursacht wurde als durch Bombenangriffe und Kampfhandlungen – mit Ausnahme der Bombardierung Königsbergs im August 1944.

4. Die Alliierten und die Vertreibung der Deutschen

Die Idee der Aussiedlung von Bevölkerungsgruppen zur Lösung nationaler Konflikte stammte nicht von den Alliierten. Sie wurde erstmalig 1923 in der Friedensregelung zwischen der Türkei und Griechenland angewandt und beinhaltete einen zwangsweisen griechisch – türkischer Bevölkerungsaustausch. Das betraf damals 400.000 Türken und 1,3 Millionen Griechen. Es kam damals schon zu ungeahnten Schwierigkeiten bei der Ansiedlung.

Aber: Je länger diese Aktion zurück lag, desto stärker galt dieses Beispiel als ein faszinierendes Muster für die Durchführbarkeit einer radikalen ethnischen Entmischung und Befriedung. Während des 2. Weltkrieges avancierte der griechisch – türkische Bevölkerungsaustausch zum Standardargument der führenden Staatsmänner der Anti-Hitlerkoalition, Das Problem war nur: Die Deutschen in Ostpreußen, Schlesien, Pommern und Sudetendeutschland waren keine Minderheit!

Die polnische Exilregierung saß in London. Die zunehmende Kriegsdauer brachte es mit sich, dass die USA und Großbritannien sich immer mehr an den Vorstellungen der Sowjetunion orientierten. Stalin wollte die Gebiete, die er im September 1939 durch das Geheime Zusatzprotokoll des deutsch – sowjetischen Nichtangriffsvertrages erhalten hatte, unbedingt erhalten. Polen musste also auf Kosten der Deutschen nach dem Krieg entschädigt werden. Ein schlagkräftiges Argument war zusätzlich der erfolgreiche Vormarsch der Roten Armee.

Im November 1943 fand die Kriegskonferenz in Teheran statt: Roosevelt, Churchill und Stalin beschlossen die sowjetische Westgrenze an der sogenannten Curzon-Linie. Damit war die Westverschiebung Polens beschlossen. Die Exilregierung Polens lehnte das ab: man hatte Angst, die Feindschaft mit Deutschland auf unabsehbare Zeit zu zementieren und in zu große Abhängigkeit zur Sowjetunion zu geraten. Stalin installierte kurzer Hand eine eigene polnische Regierung und schloss mit dieser ein geheimes Grenzabkommen ab.

Auf der Konferenz in Jalta im Februar 1945 wurde die Curzon-Linie bestätigt. Die USA und Großbritannien hatte keine prinzipiellen Einwände mehr gegen die Oder-Neiße-Linie, aber das sollte eine Friedenskonferenz regeln. Stalin behauptete, dass die meisten Deutschen schon vor der Roten Armee geflohen seien.

Schon vor der Konferenz hatte Stalin verkündet, die Marionettenregierung in Warschau hätte mit der Eingliederung der deutschen Vorkriegterritorien in Polen begonnen. Im März 1945 wurden fünf neue polnische Wojwodschaften geschaffen: Masuren, Pommern, Oberschlesien, Niederschlesien und Danzig. Immerhin protestierten die USA dagegen in Moskau.

Au der Konferenz in Potsdam fielen in der Grenzfrage die Würfel: Die Westmächte waren weniger darüber empört, dass die Sowjetunion alles im Alleingang entschieden hatte, als fiel mehr über die Frage, ob Restdeutschland die Reparationen bezahlen könnte. Es entstand ein Kompromiss: Die Sowjetunion machte bei den Reparationen Zugeständnisse, und die USA und Großbritannien anerkannten die Grenzen. Die Westalliierten hatten versucht, die Ausweisung der Deutschen als Druckmittel zu benutzen. Aber Stalin behauptete einfach, dass es in den Ostgebieten keine Deutsche mehr geben würde.

Was sollte mit der dortigen Bevölkerung geschehen? Selbst die kühnsten Phantasien der Politiker erahnten nicht, was in der folgenden Zeit mit der einheimischen Bevölkerung geschah!

Briten rechneten 1941 mit ca. 7 Mill. Vertriebenen. Diese würden in den westdeutschen Gebieten, so meinte man, lediglich die Kriegstoten auffüllen. Die USA lehnte das anfangs ab, aber legte kein Veto gegen die zwangsweise Vertreibung ein. Man kam überein, dass die Aussiedlung nur besonders belastete Gruppen oder einzelne Personen betreffen sollte. Die Aussiedlung sollte ohne Hast, nach genauen Regelungen, in humanitärere Weise und international überwacht erfolgen. In der Sowjetunion galt die Aussiedlung seit 1943 als feste politische Größe: Molotow (Außenminister der Sowjetunion) meinte, die Vertreibung von Millionen Ostdeutscher sei eine Kleinigkeit.

Nach den Kampfhandlungen in Ostpreußen wanderten etwa mehr als eine Millionen Menschen in ihre Ortschaften zurück. Im Juni wurde dieser Rückstrom von der polnischen Regierung gestoppt und der deutsche Besitz komplett eingezogen. Gleichzeitig strömten polnische Siedler nach Ostpreußen. Tausende Deutsche wurden in die Sowjetunion deportiert. Es begann die brutalste Phase der Vertreibung. Der Einfluss der Westmächte auf die Art und Weise der Vertreibung war von vorn herein sehr begrenzt. Sanktionen für den Fall der Transferverletzungen waren nicht vorgesehen.

Fazit: Ein Kriegsziel Stalins – den Zugriff auf das Ruhrgebiet – konnte nicht erreicht werden. Die Westalliierten wollten das verhindern und gaben dafür die deutschen Ostgebiete auf, das heißt, für die spätere Gründung der Bundesrepublik mussten die Schlesier, Ostpreußen, Pommern und Sudetendeutschen blutig bezahlen.

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Quelle:
Dr. Fred Mrotzek, Universität Rostock, 2005

 

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